Im Gespräch mit Daniela Michael

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"Mit meinem individuellen Arbeitszeitmodell, schaffe ich in meinem Job als Beraterin Zeit für meine Familie"

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Artikel: Im Gespräch mit Daniela Michael

Daniela Michael ist vor über 15 Jahren zur Deutschen Bahn gekommen. Vor ihrem Einstieg als Consultant 2012 bei DB MC, arbeitete sie 4 Jahre lang als Key Account Managerin bei DB Station & Service. Nach der Geburt ihres Sohnes 2015 nahm sie sich ein Jahr Elternzeit und kehrte als Senior Consultant in Teilzeit zurück. Seit 2018 ist sie Managerin in der Practice Corporate Functions bei DB Management Consulting. 

Im Interview haben wir Daniela gefragt, wie ihre typische Arbeitswoche als Inhouse-Beraterin aussieht und was es aus ihrer Sicht braucht, um Chancengleichheit zu fördern und den Frauenanteil in Führungspositionen und in der Beratung zu steigern.

Daniela, du bist Projektleiterin und arbeitest seit etwa 4 Jahren zu 80 Prozent in Teilzeit. Warum hast du dich dafür entschieden?

2015 wurde mein Sohn geboren und nach meiner Elternzeit habe ich mich dafür entschieden, in Teilzeitarbeit mit 80 Prozent bei DB MC wiedereinzusteigen. Mit meinem Teilzeitmodell kann ich beim Kunden vor Ort sein und zugleich die Betreuung meines Sohnes sicherstellen. Mein individuelles Arbeitszeitmodell bei DB MC macht es mir so möglich, in meinem Job als Beraterin Zeit für meine Familie zu schaffen.

Wie sieht deine typische Arbeitswoche inklusive Arbeitszeiten aus und wie organisierst du dein Arbeitsleben?

Meine Arbeitswoche hat 4 Tage – an diesen Tagen arbeite ich mit meinem Projektteam beim Kunden vor Ort. Mein freier Tag ist im Normalfall der Freitag, es sei denn es findet z.B. ein abteilungsübergreifender Jour Fixe statt. In diesem Fall habe ich die Möglichkeit, meinen freien Tag in Abstimmung mit meinem Team und Partner auf einen anderen Wochentag zu legen.

Meine Wochenplanung teile ich Sonntagabend mit meinem Team und meinem Projektpartner, so weiß jeder, wann ich wo für wie lange im Einsatz bin. Wenn ich im „Zwergendienst“ bin, ist mein Kalender geblockt. Natürlich kann sich an dieser Planung auch etwas ändern, doch durch die Offenheit im Team und mein Commitment, funktioniert unsere Zusammenarbeit sehr gut. Das Entscheidende: Zu Projektspitzen arbeite ich auch mal mehr. So kann es vorkommen, dass ich auch freitags im Einsatz bin, dies kann ich dann aber in ruhigeren Zeiten ausbalancieren.

Das hört sich nach Organisationsaufwand und Freiraum bei der Arbeitszeitgestaltung an, die dir DB MC und deine Kunden einräumen?

Tatsächlich ist Organisation das große Zauberwort. Mein Wochenplan funktioniert, weil er immer auf mehreren Säulen steht, sodass ich bei Bedarf flexibel reagieren kann, wenn beispielsweise ein Kundentermin verschoben wird. Neben der Unterstützung durch meine Familie, habe ich mir auch das Netzwerk in der Kita strategisch aufgebaut, sodass auch spontan immer jemand einspringen kann. Das alles passiert im Hintergrund und für den Kunden geräuschlos. Diese Tatsache schätzt mein Projektpartner an unserer Zusammenarbeit – ich habe den Willen es möglich zu machen und es funktioniert.

Wie haben deine Führungskraft und deine Teammitglieder reagiert, als du deine Arbeitszeitreduzierung bekannt gegeben hast?

Meine Führungskraft hat sehr positiv reagiert – aber natürlich ist sie daran interessiert, dass der Kunde zufrieden ist und die Projektarbeit erfolgreich verläuft. Ich bin mir bewusst, dass ich damit einen Vertrauensvorschuss erhalten habe. Dabei war die Botschaft: „Wir probieren das Modell gemeinsam aus und steuern bei Bedarf nach“. Aus meiner Sicht geht es darum, Wege zu finden, den Interessen aller Beteiligten – DB MC, unseren Auftraggebern und mir als Beraterin – gerecht zu werden und das funktioniert gut.

Warum denkst du, wird Teilzeitarbeit in der Beratung noch relativ selten in Anspruch genommen und was braucht es, damit das Modell keine Ausnahmeerscheinung bleibt?

Essenziell sind Akzeptanz und Offenheit für Teilzeitarbeit auf allen Ebenen. Damit meine ich auch Führungskräfte, die familienfreundliche Arbeitszeitmodelle vorleben. Wenn wir selbstverständlich damit umgehen, dass Teilzeitbeschäftigung zu uns gehört und Teil unserer Diversität ist, wird das Modell auf allen Ebenen (noch) stärker nachgefragt. Generell steht und fällt alles mit dem jeweiligen Projektpartner, dem Team und einer guten Selbstfürsorge. In der Beratungsbranche braucht es eine Kultur, wo du nicht in eine Rechtfertigungshaltung verfällst, wenn es um das Thema Arbeiten in Teilzeit geht. Dafür müssen Arbeitgeber ein klares Commitment geben und eine eindeutige Botschaft senden, nämlich dass auf allen Karriereebenen die Möglichkeit besteht in Teilzeit zu arbeiten – unabhängig vom Geschlecht. Nur so wird das Modell in der Beratung selbstverständlicher von Kolleginnen und Kollegen nachgefragt.

DB MC hat sich das Ziel gesetzt Chancengleichheit zu fördern und den Frauenanteil in Führung zu erhöhen. Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, damit Beraterinnen, der Beratungsbranche „treu“ bleiben? 

Chancengleichheit und Diversität kommen nicht von allein, sondern brauchen Unterstützung und konkrete Maßnahmen. Teilzeitmodelle und flexible Arbeitszeitmodelle erhalten mehr Akzeptanz, wenn sie von Männern und Frauen gleichermaßen nachgefragt werden. Nicht selten werde ich von männlichen Kollegen und Bekannten angesprochen, die Interesse an einem Teilzeitmodell äußern. Umgesetzt wird dieser Wunsch aber nur selten, denn viele befürchten Karriereknicke und Gehaltseinbußen. Hierfür gilt es individuelle Modelle zu ermöglichen, aktiv zu bewerben und positiv zu kommunizieren, denn der Frauenanteil in Führung erhöht sich nicht allein durch bessere Teilzeitmodelle für Frauen. Erst wenn es zur Selbstverständlichkeit wird, dass sowohl Frauen als auch Männer in Teilzeit arbeiten und Elternzeit in Anspruch nehmen, wird Chancengleichheit möglich.

In Unternehmensberatungen und in Unternehmen im Allgemeinen braucht es darüber hinaus mehr weibliche Führungskräfte als Vorbilder. Dabei helfen Zielquoten, wie die Deutsche Bahn sich sie gesetzt hat – bis 2024 will der Konzern den Frauenanteil in Führungspositionen auf 30 Prozent erhöhen.

Last but not least, was motiviert dich an deinem Job ganz besonders?

Ich liebe meinen Beruf: Ich arbeite an den Top-Themen des Konzerns mit hoher Sichtbarkeit im Konzern-Vorstand und den Geschäftsfeldleitungen. Mir ist es wichtig, einen Job zu machen, auf den ich mich jeden Morgen aufs Neue freuen kann. Beraterin bzw. Berater ist man aus Leidenschaft und ich mag es, immer wieder vor neuen Herausforderungen zu stehen. Es gibt Themen, von denen habe ich zuvor nichts gehört, aber ich habe unheimlich große Lust in diese einzutauchen. Die Neugierde motiviert mich jeden Tag!


Daniela Michael gehört seit 2006 zur Bahnfamilie und seit 2012 zu DB Management Consulting. Heute leitet sie als Projektleiterin konzernweite Top-Projekte, zuletzt „Sicher unterwegs“ – der erste Mitarbeitenden Ausbaustein im DB Partizipationsprozess zur Umsetzung der Dachstrategie Starke Schiene.